
Nach längerem Schrauben an einem Vater-Sohn-Projekt, war es soweit: Mit unserer Moto Guzzi Baujahr 1982 wollte ich die legendäre Route des Grandes Alpes fahren. Irgendwo hatte ich davon gehört, und sofort war klar: das muss ich erleben. Wochenlang bereitete ich mich mit Berichten und Videos aus dem Netz vor.
Im August 2024 ging es los. Ein heisser Tag, meine neue schwarze Lederjacke viel zu warm – aber egal. Startpunkt: der Stern im Boden von Thonon-les-Bains. Dort wollte ich das erste Foto machen, wissend, dass am Ende in Menton derselbe Stern auf mich warten würde. 750 Kilometer und 21 Pässe lagen vor mir.
Ich bin nie der Hardcore-Motorradfahrer gewesen, der hunderttausende Kilometer sammelt – aber an diesem Tag war ich im Rausch. Pass um Pass, kaum Pausen, nur die Freude am Fahren. Oben traf man immer wieder dieselben Gleichgesinnten: Motorradfahrer, Velofahrer, ein paar wenige Autos – ein spontanes Miteinander auf über 2’000 Metern. Da hiess es schon mal: „Kannst du ein Foto von mir machen?“ oder „Schönes Bike, aber ich würde mich das nicht trauen…“ – Begegnungen, die den Moment rund machten.
Doch am letzten Pass des zweiten Tages, dem Col du Galibier auf 2’642 m.ü.M., kam der Rückschlag: Das Kupplungskabel franselte aus, in Briançon riss es ganz. Handy raus, Mechaniker gesucht. Ich schaffte es noch, im zweiten Gang im Standgas anzufahren, bis plötzlich ein lautes Krachen kam. Stille. Riss im Gussteil der Hinterradübertragung. Frust, Wut, Enttäuschung – und zum Glück durfte ich die Guzzi beim Mechaniker stehen lassen.
Am nächsten Tag: Taxi nach Oulx, Zug nach Turin, weiter nach Milano und schliesslich nach Parma – dort, wo meine Reise eigentlich enden sollte. Die Guzzi blieb in Frankreich zurück. Einige Tage später holte ich sie mit dem Anhänger, suchte Ersatzteile auf Ebay, reparierte Kupplungsseil und Antrieb – und stellte sie für den Winter beiseite.
Doch für mich war klar: Etwas Angefangenes bringe ich auch zu Ende.
Im Juli 2025 sattelte ich erneut auf. Über den Grossen St. Bernhard nach Aosta, weiter nach Briançon, dann zurück auf die Route des Grandes Alpes. Diesmal ohne Unterbruch bis ganz nach Menton. Dort stand ich vor dem zweiten Stern im Boden, das Pendant zu Thonon. Ein emotionaler Moment, der mein Projekt vollendete. Von dort führte mich der Weg an die ligurische Küste und weiter nach Parma.
Wieso ich diese Geschichte im Journal erzähle?
Die Route des Grandes Alpes war für mich nicht nur eine Motorradreise, sondern auch eine Erinnerung daran, wie Projekte gelingen: mit guter Vorbereitung, Flexibilität unterwegs und der Entschlossenheit, das Ziel zu erreichen – trotz Hindernissen.
Link zu der Route: moppedhotel
2024: Bern – Thonon les Bains – Briançon
2025: Bern – Aosta – Briançon – Menton